Von poetisch bis dokumentarisch

Der Nutzer zweckentfremdet ein Kunstwerk: Das Holocaust-Mahnmal als Sportgerät.

Zeitgenössische Kunst im Einflussfeld der Politik

MARTIN SCHUSTER
Die Wechselwirkungen zwischen Macht und Politik auf der einen Seite und der Kunst ihrer Zeit auf der anderen sind ein weites Feld. Für eine noch gar nicht so weit zurückliegende Vergangenheit lässt sich klar erkennen: Politische Kräfte haben die Kunst eindeutig beeinflusst. Der sozialistische Realismus als sog. Staatskunst ist auf ebenso peinliche Weise offensichtliche Propaganda gewesen wie die sog. Nazi-Kunst. Beide verbleiben bis heute weitgehend in den Depots, weil selbst ein Kunstwissenschaftler wie Bazon Brock noch immer eine Verführung des zeitgenössischen Publikums befürchtet.
Ganze Kunstrichtungen können für die Wertewelt einer Gesellschaft stehen. Die abstrakte und oftmals wenig meisterliche westliche Kunst der Nachkriegsjahre hebt sich von der mehr gegenständlichen Nazi-Kunst sowie vom sowjetischen Realismus deutlich ab. Das macht es schwer, abstrakte Kunst zu kritisieren, weil sie im „richtigen“, die realistische hingegen im „falschen“ System entstand. Nach dem Ende des Sozialismus wurden Werke und Ausstellungen der westlichen Kunst in die Metropolen des alten sowjetischen Reichs exportiert, beispielsweise nach Moskau oder Budapest. Diese Kunst steht für Freiheit und Demokratie. Das Volk als Auftraggeber dieser künstlerischen Importe bekam nun ebenfalls eine Pop-Art, welche Ikonen aus Musik und Film sowie Konsumartikel feiert.