Lesen - Renaissance des Idealismus

„Das Imitieren mag sich lehren lassen, weil der unbedeutendste Mensch kopieren kann; aber man kann weder Idealismus noch künstlerisches Schaffen lehren ...“ schrieb der englische Kunstkritiker John Ruskin im 19. Jahrhundert.
Der Begriff des Idealismus geht auf Platon zurück und leitet sich ab vom altgriechischen idéa – Urbild. Platon war der Auffassung, dass alle Erkenntnis Erinnerung sei: die Seele ist nur deshalb in der Lage, in der irdischen Welt etwas Sinnliches wahrzunehmen, weil sie das wahrgenommene Ding vor ihrer Geburt bereits in der unkörperlichen Welt in Form der nichtmateriellen „Idee“ und somit als reine Gestalt schon einmal gesehen habe. Nach dem Gesetz der Assoziation und Reproduktion kann der irdische Mensch die Erinnerung an die vergessenen Bilder zurückholen.
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Lesen - Geschichte neu schreiben

Typisch weibliche und typisch männliche Rollenbilder sind soziale Konstruktionen und keine unhinterfragbare Naturgegebenheit, als die sie bisweilen erscheinen. Diese Meinung vertreten die „gender studies“, eine Forschungsrichtung, die in den 1970er Jahren in den Kulturwissenschaften aufkam und die sich mit Bedeutung und Geschichte der Geschlechterdifferenz beschäftigt. Wie typische Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit entstehen, ist längst auch zu einem Thema der künstlerischen Auseinandersetzung geworden. Insbesondere Künstlerinnen setzen sich in ihren Werken mit traditionellen und neuen Frauenbildern auseinander und stellen die Rolle des männlichen Künstlers und die seines weiblichen Modells zur Diskussion. Man denke beispielsweise an die Selbstportraits von Cindy Sherman oder die Performances von Ulrike Rosenbach in den 1970er und 80er Jahren.
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Lesen - Schwaches Geschlecht mit starkem Blick

„Die wahren Abenteuer sind im Kopf – und sind sie da nicht, sind sie nirgendwo“, sagt André Heller. In unkonventioneller Hinsicht abenteuerlich sind die neuen Frauenporträts seines Landsmannes, des österreichischen Malers, Zeichners und Karikaturisten Michael Ferner. Wobei man sich bewusst bleiben sollte, dass sich das Wort Abenteuer, adventure, vom lateinischen advenire ableitet, das übersetzt herankommen und sich ereignen bedeutet. Ferners Frauen sind Wesen, die alte Rollenbilder verlassen und sich auf neues, unbekanntes Terrain wagen. Dabei ist die Sprache dieser Bilder so symbolisch wie aufschlussreich. Zum Beispiel in Polly: nicht von ungefähr sitzt ein Papagei der Frau verkehrt herum auf dem Kopf. Der Vogel gilt als christliches Symbol der Jungfräulichkeit Mariens, weil sein Gefieder angeblich nicht nass wird, sondern bei Regen trocken bleibt. Nach einer anderen Zuordnung kann der Papagei „Ave“ sagen, die sprachliche Umkehrung von „Eva“, die nach kirchlicher Auffassung in Maria ihre Entsündigung erfährt.
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