Leseprobe

Das stille Leben der Technik

Zum malerischen Werk von Brigitte Körber

Lena Naumann

„Denn es ist zuletzt doch nur der Geist, der jede Technik lebendig macht“, schrieb Johann Wolfgang von Goethe vor zweihundert Jahren in seinen Naturwissenschaftlichen Schriften. Technik und Lebendigkeit, ja geht denn das überein? Das Lebendige besitzt eine Seele, was gemeinhin dem Technischen abgesprochen wird. Biologisch gesehen mag das so sein, für den Bereich des Ästhetischen kann aber durchaus auch Anderes gelten. Im allgemeinen Sprachgebrauch pflegen wir Natur und Technik scharf voneinander zu unterscheiden. Das Wort Natur leitet sich vom lateinischen nasci ab, das geboren werden und wachsen bedeutet. Der Begriff Technik wiederum kommt vom altgriechischen Wort techne, mit dem das Handwerk, die Wissenschaft und ganz allgemein eine gewisse Kunstfertigkeit beschrieben werden. Die Natur ist das Gewachsene, die Technik das Gemachte. Ein Gegensatz nur auf den ersten
Blick. Bei tieferer Betrachtung zeigt sich, dass es im Grunde nichts gibt, was in der Wurzel nicht doch wieder Zum malerischen Werk von Brigitte Körber Natur wäre. Auch der Stahl, ein Inbegriff von Technik, besteht aus natürlichen Elementen wie Eisen, Schwefel, Phosphor, Aluminium oder Silizium, die sich allerdings nicht durch die Hand der Schöpfung, sondern durch die Hand des Menschen miteinander verbinden. Aber da auch der Mensch ein Teil der Schöpfung ist, ist der Unterschied zwischen natürlichen und technischen Schöpfungsprozessen weniger groß, als man auf den ersten Blick meinen sollte. Eine Künstlerin, deren Werk zwischen natürlichen und technischen Formen changiert und die beide Bereiche höchst kreativ und immer wieder neu ästhetisch auslotet, ist die Berliner Malerin Brigitte Körber.

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Bilder formen Wirklichkeit
Über die Wirkung von Kunstwerken auf den Betrachter

Lena Naumann

„Diejenigen, die Bilder zu erklären versuchen, irren meistens vollkommen“, hat Picasso einmal geäußert.. Wobei hier wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens war, da eine hoch neurotische Persönlichkeit wie Pablo Picasso vermutlich nicht sehr angetan von der Vorstellung gewesen ist, man könne ihm in die seelischen Karten und die verräterischen Abgründe seiner Psyche schauen. Denn für den geschulten Blick des Kunstpsychologen gibt es durchaus einen auffälligen Zusammenhang zwischen dem Leben eines Künstlers und manchen der von ihm geschaffenen Werke. Dieser Zusammenhang hängt mit der Tatsache zusammen, dass die Hände eines Menschen und das, was sie schaffen, letztlich „Ausstülpungen seines Gehirns“ darstellen. Keine künstlerische Arbeit lässt sich isoliert von Seelenleben und Geisteszustand ihres Schöpfers betrachten. Der Künstler ist in seinem Werk und das Werk ist im Künstler. Ohne eine innere Bindung an den dargestellten Inhalt kann der Schaffende das Werk nicht realisieren. Das gilt auch und gerade für den künstlerischen Protest. Was ein Künstler im Außen bekämpft, hat er in seinem Inneren noch nicht überwunden. Hätte er es, würde ihn das Thema nicht mehr interessieren, und er würde sich mit anderen Sujets beschäftigen.
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10 Jahre MUNDUS

Stimmen unserer Leser

„München leuchtet“ – ohne Ironie wie noch bei Thomas Mann, sondern tatsächlich, ganz wie bei Werner Ross. Der Spruch apostrophiert eine Auszeichnung, die für besondere Verdienste verliehen wird. So soll dieser auch sinnbildlich auf den Jubilar übertragen sein: MUNDUS, das Kunstmagazin aus München, das sich so licht aus dem Dämmer mancher Kunstzeitschriften heraushebt. Es informiert nicht nur auf attraktive, allgemeinverständliche Weise über wichtige künstlerische Ereignisse und Ausstellungen, sondern bietet auch Raum zu tieferer inhaltlicher Auseinandersetzung mit Geschichte, Ästhetik und Wirkung unterschiedlichster Ausprägungen zeitgenössischer Kunst. Was die Zeitschrift als Publikumsrevue dabei vor allem auszeichnet, ist ihr Mut, auch gegen den Trend an tradierten Wertmaßstäben hoher künstlerischer Qualität festzuhalten, das heißt geistige Substanz und vollendete Beherrschung der Mittel in der handwerklich-technischen Ausführung wieder in ihr Recht zu setzen, denn nur, was in der Einheit von Form und Idee vollkommen zusammenstimmt und ästhetisch überzeugend einen Gehalt vermittelt, der von überzeitlicher Bedeutung ist, wird vor der Vergangenheit bestehen können und auch in Zukunft noch relevant sein. Solches frisch und unverstellt, vom Markt unabhängig und mit klarem Bekenntnis zur abendländischen Tradition vierteljährlich immer neu und überzeugend darzubieten, gibt den Ausgaben ihren unikalen Wert. Das aber bedeutet: „mundus leuchtet“ – so scheint es aus der Ferne – seit nunmehr 10 Jahren in 40 Ausgaben. Gratulation!
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Viel Lärm um Nichts
Vier Gründe für den Niedergang der Kunstkritik

Keiner traut sich. Ist die Schmiererei auch noch so öde, das Bildchen blass und banal: zeitgenössische Kunst wird überall und grundsätzlich gelobt. Auch angesichts mehr als dürftiger Werke steigern sich Kuratoren und Laudatoren mit Hilfe von Fremdwortkaskaden in eine ekstatische Euphorie. Das war nicht immer so.
Um 1850 wird die bildende Kunst in den Medien massiv und abwertend kritisiert. Die Maßstäbe dieser Kritik schienen jedermann klar zu sein. Wettbewerbe fachten die Konkurrenz der Künstler an. Herder und später Winckelmann maßen die Höhe einer Kultur an der Güte ihrer künstlerischen Werke. Die Herrschenden hatten und haben bis heute ein Interesse an der Kunst, um aus ihrer überlegenden Kultur Machtansprüche abzuleiten.
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Liberté, Égalité, Fraternité, Solidarité, Laïcité

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