Leseprobe

Jost Heyder und die Neue Leipziger Schule

Lena Naumann

In einer berühmten Geschichte des französischen Dichters Antoine de Saint-Exupéry,, der Erzählung vom kleinen Prinzen, gibt es eine so berührende wie rätselhafte Szene, in der sich der Fuchs vom Prinzen verabschiedet und ihm dabei sein Geheimnis verrät: „Man sieht nur
mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Was ist das, dieses Wesentliche? Zunächst ein häufig gebrauchtes Wort der Alltagssprache, wenn jemand den Kern einer Sache in den Mittelpunkt stellen oder Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden möchte. Doch das trifft es nicht ganz. Wie so oft kann der Blick in die Etymologie eine Antwort auf die gestellte Frage geben: Das Wort Wesen ist der substantivierte Infinitiv des althochdeutschen wesan, das nichts Anderes bedeutet als: sein.
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10 Jahre mundus

Stimmen unserer Leser

„München leuchtet“ – ohne Ironie wie noch bei Thomas Mann, sondern tatsächlich, ganz wie bei Werner Ross. Der Spruch apostrophiert eine Auszeichnung, die für besondere Verdienste verliehen wird. So soll dieser auch sinnbildlich auf den Jubilar übertragen sein: mundus, das Kunstmagazin aus München, das sich so licht aus dem Dämmer mancher Kunstzeitschriften heraushebt. Es informiert nicht nur auf attraktive, allgemeinverständliche Weise über wichtige künstlerische Ereignisse und Ausstellungen, sondern bietet auch Raum zu tieferer inhaltlicher Auseinandersetzung mit Geschichte, Ästhetik und Wirkung unterschiedlichster Ausprägungen zeitgenössischer Kunst. Was die Zeitschrift als Publikumsrevue dabei vor allem auszeichnet, ist ihr Mut, auch gegen den Trend an tradierten Wertmaßstäben hoher künstlerischer Qualität festzuhalten, das heißt geistige Substanz und vollendete Beherrschung der Mittel in der handwerklich-technischen Ausführung wieder in ihr Recht zu setzen, denn nur, was in der Einheit von Form und Idee vollkommen zusammenstimmt und ästhetisch überzeugend einen Gehalt vermittelt, der von überzeitlicher Bedeutung ist, wird vor der Vergangenheit bestehen können und auch in Zukunft noch relevant sein. Solches frisch und unverstellt, vom Markt unabhängig und mit klarem Bekenntnis zur abendländischen Tradition vierteljährlich immer neu und überzeugend darzubieten, gibt den Ausgaben ihren unikalen Wert. Das aber bedeutet: „mundus leuchtet“ – so scheint es aus der Ferne – seit nunmehr 10 Jahren in 40 Ausgaben. Gratulation!
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Künstlerin sein
Eine kurze Geschichte der weiblichen Kreativität

Martin Schuster

Sie werden im Sprachgebrauch des Alltags oft wie Synonyme gebraucht: der Begriff Künstler und die Eigenschaft Kreativität. Wenn man allerdings genauer hinschaut, was kreativ sein im weitesten Sinne bedeutet, ist diese synonyme Verwendung nicht ganz zutreffend. Unter einer kreativen Leistung versteht man eine Innovation, welche die Gesellschaft weiterbringt – in der Technikbranche würde man sagen: die der Gesellschaft nützt. Das muss bei einem Werk der bildenden Kunst keineswegs immer der Fall sein. Der Hobbymaler malt, vielleicht etwas ungeschickt, einen Blumenstrauß im fotorealistischen Stil. Zwar hat es dieses konkrete Werk so noch nicht gegeben, es ist aber im selben Stil gemalt wie schon tausende fotorealistisch gemalte Blumensträuße vor ihm. Man kann durchaus ein Objekt erschaffen, das als solches noch nie dagewesen ist wie der Bäcker einzelne Brötchen erschafft – ohne dass solche Produkte aber innovativ sind.
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Viel Lärm um Nichts
Vier Gründe für den Niedergang der Kunstkritik

Keiner traut sich. Ist die Schmiererei auch noch so öde, das Bildchen blass und banal: zeitgenössische Kunst wird überall und grundsätzlich gelobt. Auch angesichts mehr als dürftiger Werke steigern sich Kuratoren und Laudatoren mit Hilfe von Fremdwortkaskaden in eine ekstatische Euphorie. Das war nicht immer so.
Um 1850 wird die bildende Kunst in den Medien massiv und abwertend kritisiert. Die Maßstäbe dieser Kritik schienen jedermann klar zu sein. Wettbewerbe fachten die Konkurrenz der Künstler an. Herder und später Winckelmann maßen die Höhe einer Kultur an der Güte ihrer künstlerischen Werke. Die Herrschenden hatten und haben bis heute ein Interesse an der Kunst, um aus ihrer überlegenden Kultur Machtansprüche abzuleiten.
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Liberté, Égalité, Fraternité, Solidarité, Laïcité

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