Mit Gebärden sprechen

Martin Schuster - Mit Gebärden sprechen

Manche Gesten, die beispielsweise auf nette Weise den öffentlichen Raum zu regeln versuchen, sind auch nicht immer so eindeutig, wie sie vielleicht sollen. Wie im Fall eines Mülleimers: Ob jeder weiß, was der gestikulierende Abfalleimer von ihm will, ist ungewiss. Soll man ihm möglicherweise die Hand geben oder sich gar hineinstürzen? Foto: Adam Zborowski

Was die Körpersprache erzählt …
Die Bedeutung von Gesten und Posen in der Kunst und im Alltag

Was haben abgebildete Personen vor, wie fühlen sie sich?Wir könnten es nicht wissen, wenn sie es nicht mit Mimik und Gestik zum Ausdruck bringen würden. Naturgetreue Mimik tritt allerdings erst in späteren Werken der Malerei auf; mittelalterliche Bilder zeigen sie kaum. Erst seit der Zeit von Honoré Daumier gehört sie mehr und mehr zum festen Repertoire der Künstler. Posen und Gesten dagegen gibt es in der Geschichte der bildlichen Darstellung schon lange. Diese sind entweder natürlich wie die aus dem Instinkt kommenden Bewegungen, oder sie müssen als kulturelle Konvention gelernt werden. Daneben gibt es sogenannte explikative – erläuternde – Gesten, die einen Redefluss begleiten.
Oft haben Gesten einen antiken Ursprung wie die Mano cornuta-Geste, die „gehörnte Hand“: hierbei sind Zeige- und kleiner Finger von einer Faust abgespreizt. Man kann diese, gegen sich selbst gewendet, bis heute in Italien erleben, wenn man sich im Straßenverkehr wie ein Ochse („Gehörnter“) verhält. Sie ist aber auch schon eine Geste der Folterknechte Christi in Passionsdarstellungen.