Vom kleinen Erwachsenen

Bild: Käthe Kollwitz  Städtisches Obdach  1926. Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Oldenburg

Die Darstellung von Kindern in der Kunst

EVA LUDWIG-GLÜCK

In der westlichen Welt ist heute wohl jede Kindheit nahezu lückenlos fotografisch dokumentiert. Doch vor der Erfindung der Fotografie war es vor allem das Privileg von Adel und Bürgertum, die eigenen Kinder in Porträts zu verewigen. Diese Darstellungen dienten in der Aristokratie ab dem 15. Jahrhundert vor allem der Repräsentation, aber auch, um dem eigenen Nachwuchs vorteilhafte und standesgemäße Hochzeiten zu ermöglichen. Oftmals wurden die zukünftigen Ehepartner einander im Kindesalter versprochen und kannten sich bis kurz vor der Hochzeit nur vom Bild. Auch im gut situierten Bürgertum wurden seit dem 16. und 17. Jahrhundert Kinderbildnisse zu repräsentativen Zwecken angefertigt – man wollte zeigen, dass man sich ein derart exquisites Vergnügen leisten konnte. Häufig wurden die Kinder im Familienverbund gezeigt; Einzelporträts waren eher unüblich. Ein schönes Beispiel ist das Gemälde des Sohnes des Hildesheimer Bürgermeisters Heidenreich Gerhardt von 1649. Hier ist das Kind, wie damals üblich, als kleiner Erwachsener in der Mode der Zeit und mit kostbarer Silberrassel, Münzen und Lutscher porträtiert.

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