Alles außer gewöhnlich

Labialfalten, die bis zum Kinn reichen, können einen
frustriert-missmutigen Eindruck vortäuschen:
Bundeskanzlerin Angela Merkel. © Wikimedia Commons

Foto: Armin Kübelbeck

Nur Kopf oder schon Charakterkopf?
Eine kunstpsychologische Spurensuche

Ein Kopf ist ein Kopf. Dabei scheint allerdings manch einer eine besonders charaktervolle Ausstrahlung zu besitzen. Der Duden definiert Charakterkopf als einen „Kopf von angenehm ausgeprägter Form mit ausdrucksvollen Gesichtszügen“. Was genau aber macht einen Kopf zum Charakterkopf? Eine Antwort auf diese Frage findet man nicht im Lexikon; dennoch scheinen Erklärungen möglich. Vor allem, wenn man die zahlreichen Büsten und Porträts von berühmten Männern anschaut, die in der bisherigen Geschichte mehr im Rampenlicht der Öffentlichkeit standen als Frauen. Allerdings ist Charakterkopf auch ein umgangssprachlicher Ausdruck, und so kann die Analyse höchstens zu einer plausiblen Annäherung führen; eine endgültige Klärung wird schon wegen der Unschärfe des Begriffs nicht möglich sein.
Zunächst ist eine Unterscheidung wichtig: Es gibt einerseits das ruhende Gesicht im Sinne der Physiognomie, also den unveränderlichen Aufbau der Gesichtsformen. Und es gibt die Mimik, die aktuelle Bewegung des Gesichts, die über die momentane Stimmung eines Menschen Auskunft gibt. Man kann sich das wie eine Uhr vorstellen, an der es bewegliche Teile wie die Zeiger gibt und unveränderbare Teile wie das Ziffernblatt.