Die Surrealistin

Stefan Moses Meret Oppenheim Bern 1982.
Silbergelatineabzug, Privatsammlung

Mehr als nur Muse. Zum künstlerischen Werk von Meret Oppenheim

Sie war Malerin und Lyrikerin. Heute gilt sie eine der bekanntesten Künstlerinnen der Schweiz: Meret Oppenheim (1913-1985). Für ihre Entwicklung zur Künstlerin hatte die junge Frau ein Rollenmodell als Vorbild: Ihre Großmutter, Lisa Wenger, war Künstlerin, Kinderbuchillustratorin und einige Jahre auch die Schwiegermutter von Hermann Hesse. So bekam Meret Oppenheim schon früh Kontakt zur Kunst- und Kulturszene. In Paris gehörte Meret zur Gruppe der Surrealisten, zu deren Ausstellungen sie mit eigenständigen Arbeiten beitrug. Besonders bekannt wurde ihre mit Pelz besetzte Tasse. In dieser Zeit lernte sie unter anderen Hans Arp, Marcel Duchamp und André Breton kennen. Ein Jahr lang war sie die Geliebte von Max Ernst. Meret Oppenheim galt als Muse der Surrealisten. Diese erforschten in ihren Werken das Unbewusste, das sich, so lehrte es Sigmund Freud, dem Bewusstsein über Träume offenbart. Meret, die schon früh ihre Träume dokumentierte und in eine Beziehung zu ihrem Werk setzte, befand sich damit also mitten im Zentrum der Bewegung. Sie war in jeder Hinsicht unkonventionell, was man an der Bereitschaft erkennen kann, für Man Ray nackt zu posieren; laut den Memoiren des Fotografen tat sie dies ohne viel Scheu. So entstand ein berühmtes Porträt der frühen Kunstfotografie. Meret Oppenheim besaß auch den Mut, einen Versuch mit LSD zu unternehmen, um sich weitere Zugänge zu ihrem Unterbewussten zu erschließen. Auf diesen Versuchen basieren einige psychedelische Bilder. Ihre Visionen unter der Droge hat sie genauestens protokolliert und veröffentlicht.