Bilder einer lebendigen Ordnung

Franz Stefan Kohl Planimetrische Bewegungen #10 2012.
Acryl auf Leinwand, 120 x 160 cm

Zur Bildgestaltung von Franz Stefan Kohl

„Kann die Geometrie sich leidenschaftlich verzerren und ist sie dann noch Geometrie? Man könnte aber auch umgekehrt fragen: Lässt sich die Leidenschaft geometrisieren, und – falls ja – zerrinnt sie nicht ins Nichts?“ Diese Frage des ungarischen Essayisten und Kunsttheoretikers László F. Földényi berührt einen zentralen Aspekt der Konkreten Kunst, der dem Betrachter zwar oft nicht bewusst ist, aber dennoch einen entscheidenden Einfluss auf sein inneres Erleben im Angesicht eines konkreten Kunstwerkes besitzt: Wirkt ein Bild, wenn es sich hauptsächlich aus geometrischen Elementen zusammensetzt, starr und statisch, oder ist ihm ein Moment von Bewegung, Dynamik und Rhythmus eigen?
Der Begriff Konkrete Kunst wurde vor etwa einhundert Jahren von Theo van Doesburg entwickelt und bezeichnet Arbeiten, die unsymbolisch und dafür mehr mathematisch-geometrisch gestaltet sind. Oftmals sind sie wissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten in der Wirkung von Formen und Farben auf der Spur. Besonders treffend hat es der russische Konstruktivist Alexander Rodtschenko auf den Punkt gebracht: „Diese Kunstwerke sind keine Spiegelbilder der Natur, sondern neue Tatsachen.“ Mit großer Konsequenz setzte vor allem der holländische Konstruktivist Piet Mondrian, ein prominenter Vertreter der De Stijl-Bewegung, die Grundideen der Konkreten Kunst in sein Werk um. Er beschränkte sich in seinen Arbeiten auf die gerade Linie und den rechten Winkel, ferner auf die drei Primärfarben Rot, Blau und Gelb sowie die Nicht-Farben Schwarz, Weiß und Grau.