Heilig, sexy, aggressiv

Das Fußmotiv aus kunstpsychologischer Sicht

Erotisch: Der optisch verkleinerte und dadurch zierlicher wirkende
weibliche Fuß im hochhackigen Schuh.
Foto: Hildegard Ameln-Haffke

Das Fußmotiv aus kunstpsychologischer Sicht

Er ist ein Körperteil, das in der Kunst zunächst nicht allzu viel Beachtung fand: der Fuß. Betrachtet man sein allgemeines Bedeutungsumfeld, wird verständlich, warum das so ist: Der Fuß ist nicht nur der unterste, sondern auch der niedrigste Teil des Körpers, da er mit dem Schmutz der Straße in Kontakt kommt. Er ist verletzlich und verletzungsgefährdet, andererseits mit fester, aber unschöner Hornhaut geschützt. Daneben steht er für Standfestigkeit, Bodenständigkeit und Erdverbundenheit. Als Teile des Körpers werden Füße in Malerei und Skulptur von alters her mitabgebildet: in der ägyptischen Kunst zunächst nur von der Seite, dann in der griechischen Kunst in allen möglichen Bewegungshaltungen. In der Kunst Asiens konnte sich auch der Abdruck eines Fußes zu einem eigenen Sujet entwickeln.

Aus der modernen und der Gegenwartskunst sind Werke von Picasso zu nennen, beispielsweise seine Arbeiten Sitzender Akt, sich den Fuß trocknend oder Laufende Frauen am Strand, die den weiblichen Fuß an zentraler Stelle thematisieren. Bei den Dargestellten handelt sich um starke, kräftige Frauen mit voluminösen Gliedern. Auch René Magritte hat sich in seinem Werk Das rote Modell dem Thema Fuß gewidmet, allerdings in verfremdend-surrealistischer Weise (Abb. 1). Eine andere Richtung der zeitgenössischen Kunst hat sich nach dem Vorbild von Jean Dubuffet der Kinderzeichnung als Vorlage bedient. Berühmt sind hier die Kopffüßler von Horst Antes (s. S. 21). In den Werken geisteskranker Künstler, der sog. Outsider Art, ist der Kopffüßler als Regression im Sinne kindlicher Malweisen zu finden.