Aus Liebe zum System

René Binet Portal zur Weltausstellung 1900, Paris.
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Ordnung in Natur und Kunst

Alle Lebewesen zeigen Strukturen von Ordnung und Geometrie. So haben beispielsweise Säugetiere einen bilateralsymmetrischen Körperbau, weisen also zwei äußerlich spiegelbildliche Hälften auf. Bei Seesternen, Seeigeln und manchen Pflanzen finden sich dagegen radiale Symmetrien: Ihr Erscheinungsbild bleibt bei Drehungen immer unverändert. Symmetrie und Geometrie bei lebendigen Organismen mag von einer gewissen Enge bei der Informationsspeicherung in der DNA bedingt sein. Gleiche Elemente wie zum Beispiel Segmente werden im Körperbau mancher Tiere oft mehrfach verwendet. Auch die Liebe des Menschen zu Blumen ist nicht nur durch die schönen Farben der Blüte, sondern auch durch die strenge Geometrie der Pflanze bedingt.
Menschen sind Teil der Natur und eingebettet in eine natürliche Umgebung, deren paradiesische Schönheit uns mit einer Vielfalt von Arten imponiert. Bei Bäumen und anderen Pflanzen gibt es trotz prinzipieller Ähnlichkeiten jedoch auch eine große Zahl von Untertypen. Jeder Baum zeigt wiederum eine große Menge an sehr ähnlichen Blättern. Dieses uns aus der Natur vertraute Spiel von Abwechslung und Wiederholung macht ein wichtiges Grundprinzip der Ästhetik aus: „Einheit in der Vielfalt“. Wegen der Vielfalt in der Einheit empfinden Menschen auch Sammlungen von kleineren Varianten derselben Kategorie als schön: Muschelsammlungen aus dem Urlaub, Briefmarkensammlungen oder Kunstsammlungen. Auch Seriengestaltungen in der Kunst bieten Vielfalt in der Einheit, etwa die Siebdrucke von Andy Warhol oder viele Industrieanlagen-Fotografien von Bernd und Hilla Becher (Abb. 1).