Über Epochen denken

Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Girst

Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Girst
Foto: Carl Hanser Verlag

Der Kulturwissenschaftler Thomas Girst hält mit seinem neuen Buch Alle Zeit der Welt ein Plädoyer für Innehalten und Langfristigkeit

Manchmal sind es nur fünf Worte, mit denen sich ein Autor in das Herz eines Lesers schreibt. Im jüngsten Werk von Thomas Girst stehen diese Worte auf Seite 59: „Wirklich mutig sind die Planlosen.“ Was für ein Satz! Und das in diesen Zeiten, in denen praktisch jeder und das jeden Tag seine To-do-Listen abarbeitet: eine für den Tag, eine für die Woche, eine für den Monat und eine für Quartal und Jahr. Gibt es überhaupt noch Menschen, die sich trauen, in den Tag hinein zu leben und die Dinge auch einmal auf sich zukommen zu lassen in diesen Zeiten des vorauseilenden Termingehorsams?
Es sind solche und zahlreiche andere Fragen rund um das Thema Zeit, mit denen sich Thomas Girst in seinem neuen Buch unter vielerlei Aspekten beschäftigt. Der Kunsthistoriker, Amerikanist und Literaturwissenschaftler verantwortet seit 2003 das internationale Kulturengagement der BMW Group, ist Honorarprofessor an der Akademie der Bildenden Künste in München und wurde 2016 als Europäischer Kulturmanager des Jahres ausgezeichnet. In seinem jüngsten Buch schaut er nicht nur über den Tellerrand unseres eigenen eingefahrenen Umgangs mit Zeit, sondern beschreibt überaus unterhaltsam, wie in anderen Epochen, Ländern und Kulturen mit dieser knappen und kostbaren Ressource umgegangen wird.